Fairplay - Nein Danke!

Dies ist ein Schreiben im Namen der Eltern unserer 1. E-Juniorenmannschaft. Sie stellen folgende Frage:

Wie sollen wir, unseren jungen Fußballern den Fairplaygedanken nahe bringen sollen, wenn dieser „von Oben“ mit Füßen getreten wird. 

Offizielles Logo der Fifa. In Magdeburg bzw. Sachsen Anhalt gilt dieser Gedanke wohl nicht!
(Quelle des Fotos: www.fifa.com)
      

 

Eigentlich gibt es im Fußball zur Einhaltung der sportlichen Fairness im Land Sachsen Anhalt einen Paragraphen, der diese überwacht. Der § 5 Absatz 2 der Spielordnung des Fußballverbandes Sachsen Anhalt besagt:

„Nach jedem Einsatz eines Spielers in einem Pflichtspiel einer höherklassigen Mannschaft ist ein Mitwirken in einem Pflichtspiel in einer unterklassigen Mannschaft seines Vereins erst nach einer Wartefrist von 2 Tagen möglich.“

Durch diesen Paragraphen ist es einem Verein also nicht möglich, einen Spieler aus der jeweiligen stärkeren 1. Mannschaft ohne Wartefrist in einer schwächeren zweiten Mannschaft seines Vereins mitspielen zu lassen. Beim Stadtfachverband Magdeburg scheint diese Regelung aber keine Beachtung zu finden!

Im Punktspiel unserer E 1 gegen die zweite Mannschaft des 1.FC Magdeburg am 6.09.2009 setzte der 1.FC Magdeburg einen Spieler aus seiner ersten Vertretung ein, obwohl dieser Spieler am Freitag zuvor in seiner ersten Mannschaft gespielt hatte. Die Wartefrist von 2 Tagen wurde also eindeutig nicht eingehalten. Trotzdem wurde der Einspruch gegen die Wertung des Spiels vom Sportgericht Magdeburg abgewiesen (Unsere E-Juniorenmannschaft spielte nur 3:3 Unentschieden. Der besagte Spieler aus der E 1 des 1.FC Magdeburg erzielte dabei 2 Tore). Auch das Berufungsverfahren beim Jugendsportgericht bestätigte dieses konfuse Urteil. Warum?

 Der Stadtfachverband Magdeburg vergaß zu Beginn der Saison für 1. und 2. Mannschaften, die wie in Magdeburg, zusammen in einer Klasse spielen, eine klare Regelung zur Einhaltung der sportlichen Fairness zu verfassen. Der Paragraph 5 der Spielordnung regelt dies nur für Mannschaften aus einem Verein, die in unterschiedlichen Spielklassen (Bsp. Stadtliga – Stadtklasse) spielen. Für Mannschaften eines Vereins, die wie bei den E-Junioren in einer Spielklasse spielen (Die 1. und 2. E des 1.FC Magdeburg spielen beide in der Stadtliga) hat der Stadtfachverband eine eindeutige Regelung nicht getroffen. Man stellte zwar in Frage, ob dies richtig sei, doch da es vom Stadtfachverband keine eindeutige Regel dazu gibt, war und ist es möglich die Fairness in Magdeburg zu umgehen.

Der 1.FC Magdeburg beruft sich bei dem Einsatz des Spielers der I. Mannschaft in der II. Mannschaft ohne Wartefrist auf die fehlende Höherklassigkeit, da ja ihre E 1 und E 2 in der selben Spielklasse spielen. Doch was bedeuten dann die Zahlen hinter dem jeweiligen Buchstaben? Für uns ist die I. Mannschaft gegenüber der II. Mannschaft eines Vereins, auch wenn in der gleichen Liga, die höherklassige Mannschaft, so dass die §5 Absatz 2 und § 5 Absatz 6 der SpO Anwendung hätten finden müssen. Im besagten Spiel hatte der 1.FC Magdeburg genügend Auswechselspieler aus dem Kader der II. Mannschaft zur Verfügung. Es ging dem 1.FC Magdeburg bei dem Einsatz, des Spielers aus der I. Mannschaft nur um die Verstärkung der II. Mannschaft. Der 1.FC Magdeburg I und der SV Arminia Magdeburg I hatten bis dahin alle ihre Spiele gewonnen. Uns ist nicht klar, warum die Spielordnung des Fußballverbandes in der Ausschreibung des SFV Magdeburg und des Sportgerichtes des Stadtfachverbandes Magdeburg bei diesem konkreten Fall keine Anwendung findet.  

Bleibt zusammenfassend zu sagen. Der 1. FC Magdeburg hat sich voll und ganz an die Bestimmungen des Stadtfachverbandes gehalten, als rein rechtlich nichts Unrechtes getan. Die Frage, ob es aber sportlich fair und sinnvoll ist einen Spieler aus der 1. Mannschaft in seiner 2. Mannschaft mitspielen zu lassen, nur um seinen unmittelbaren Gegner um den Titel Punkte „zu klauen“, bleibt aber bestehen. Vor allem weil, dies die sehr gute erste Mannschaft es eigentlich gar nicht nötig hat.

Durch Bestätigung des Urteils durch das Jugendsportgericht ist es zumindestens in dieser Saison möglich 2 Mannschaften für eine Liga zu melden, aber nur mit einer Mannschaft zu spielen. Am Freitag oder Samstag in der ersten Mannschaft und am Sonntag mit den gleichen Spielern in der zweiten Mannschaft. So könnte unser Verein bei den F-Junioren und den G-Junioren seine Spieler der zweiten Mannschaft bei jedem Spiel durch eine unbegrenzte Zahl an Spielern der jeweiligen ersten Mannschaft ersetzen. Unsere G 2 könnte also im  Spiel gegen die Neustadt-Tiger komplett mit unserer ersten Vertretung antreten und somit bei einem Sieg  den Stadtmeistertitel frühzeitig perfekt machen. Ob dies im Sinn des Erfinders ist, wagen wir zu bezweifeln. Es ist Schade, dass es dem Sportgericht Magdeburg und dem Jugendgericht Sachsen Anhalt in beiden Verfahren nicht um die sportliche Fairness ging, sondern nur um die Überprüfung der jeweiligen Spielordnungen. Der Fair –Play Gedanke wurde von beiden Gerichten nicht betrachtet. Natürlich fragen sich die Spieler und die Eltern unserer E 1, wie so etwas möglich ist. Warum gibt es eine erste Mannschaft und eine zweite Mannschaft, wenn alle Spieler der ersten Mannschaft auch in der zweiten Mannschaft spielen können? 

Ach ja, für die das kurze Nachschlagen in den Spielordnungen durch das Jugendgericht Sachsen Anhalt muss unser Verein noch 57,20 Verhandlungskosten plus 25,00 Euro einbehaltene Einspruchsgebühren = 82,20 bezahlen.

Sport frei!